- Häufigkeiten und Symptome der Typ I Allergie gegen Nahrungsmittel
IgE Antikörper gegen Nahrungsmittel, die auch zu Symptomen führen, sind seltener als allgemein vermutet. Bis zu 20% der Eltern glauben, dass ihr Kind an einer echten Nahrungsmittelallergie (NMA) leidet. Doch in Wirklichkeit sind nur 8% der Kinder und 10% der Erwachsenen auf Basis von Labor- oder Hauttests tatsächlich betroffen. Verabreicht man ein verdächtigtes Nahrungsmittel reagieren überhaupt nur 5%. Dabei dominiert bei den Kindern unter sechs Jahren die primäre NMA, wo das Immunsystem also spezifische Antikörper nur gegen das betroffene Nahrungsmittel bildet. Hingegen ist die sekundäre NMA (siehe unten) eher ein Phänomen des Erwachsenenalters. Rund um die Pubertät besteht ein gemischtes Bild.
Neunzig Prozent dieser primären Nahrungsmittelallergien werden -in absteigender Reihenfolge- verursacht durch:
- Erdnuss
- Baumnüsse (Haselnuss, Walnuss)
- Kuhmilch
- Fisch und Meeresfrüchte
- Hühnerei
- Sojabohne
- Weizen
- Sesam (muslimische und asiatische Haushalte)
Siebzig % der Patient*innen reagieren gegen nur eines diese Nahrungsmittel, 30% gegen zwei oder mehrere Allergene.
Klinisch kommt es nach Einnahme der betroffenen Nahrungsmittel innerhalb von fünf Minuten zu Schwellungen oder Kribbeln im Mundbereich, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Blähungen. Eine Ausnahme ist die Reaktion auf Weizeneinnahme und nachfolgender körperlicher Betätigung, wo die allergische Symptomatik erst nach 2-3 Stunden auftritt. Bei schwereren Verläufen entstehen Symptome auch an vom Magen-Darmtrakt entfernten Regionen, wie der Haut oder Blutgefäßen.
Wichtig: Die Symptome werden mit jeder Nahrungsmittelaufnahme stärker!
Es gibt jedoch auch das Phänomen der Kreuzallergien, so genannte sekundäre NMA. Hier entwickelt sich primär eine Überempfindlichkeit auf Baumpollen oder Latex. Aufgrund der Ähnlichkeit der Allergene kommt es jedoch auch zu einer Typ I Allergie gegen Nahrungsmittel, zum Beispiel Nüsse, Stein- und Kernobst oder Soja bzw. Melone, Sellerie oder Karotte. Im Unterschied zu den primären NMA sind die Symptome hier auf den Mund-Nasenbereich beschränkt. Man spricht vom so genannten Oralen Allergiesyndrom (OAS). Die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer NMA, zum Beispiel gegen Nüsse, gelingt am besten mit einer speziellen Blutanalyse.
- Vorbeugung
Man kann das Risiko für eine Typ I Nahrungsmitteallergie bereits in der Kindheit reduzieren. So sind eine allergenarme Diät oder Probiotika Einnahme der werdenden und stillenden Mutter -außer sie leidet selbst an einer Nahrungsmittelallergie- sowie generell Übergewicht, Alkohol und Rauchen in dieser Zeit zu vermeiden. Ähnliches gilt für nicht notwendige Kaiserschnittgeburten.
- Diagnose
Neben der gezielten Befragung (Anamnese) zu den Erfahrungen der/des Patientin/en über die Symptomatik ist der Hauttest eine Möglichkeit zur Erkennung, auf welche Nahrungsmittel man allergisch reagiert. Dieser Test ist möglich, da die verantwortlichen spezifischen IgE Antikörper im Blut zirkulieren und so neben der Schleimhaut des Magen-Darmtrakts auch die Haut erreichen. Rein hergestellte Nahrungsmittel-Extrakte werden sanft in die Haut geritzt und führen (nur) bei der/dem Allergiker/in zu einer geröteten, juckenden Schwellung. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die Reaktion tatsächlich am lebenden Körper erfolgt, der Nachteil, dass aus Platzgründen nicht alle in Frage kommenden Nahrungsmittel aufgetragen werden können und die Reaktion sehr unangenehm mit manchmal sogar schweren Reaktionen verbunden sein kann. (Man bedenke auch, dass auch ein Hauttest die Allergie verstärkt.) Der Hauttest ist also bezüglich der klinischen Diagnose spezifisch, aber nicht sensitiv; das heißt, er sieht nicht alle Fälle, die wenigen jedoch dann eindeutig.
Eine Alternative ist die Blutanalyse, in welcher die Konzentration von IgE Antikörpern, die spezifisch gegen Nahrungsmittel gerichtet sind, gemessen werden können. Vorteilhaft erweist sich die Tatsache, dass aus lediglich einer Blutabnahme in einem Stufenverfahren ein breites Spektrum von (bis zu 100) Nahrungsmitteln analysiert werden kann. Nachteilig ist hingegen, dass 2/3 der Sensibilisierungen klinisch gar keine Symptome erzeugen. Bluttests sind bezüglich der klinischen Diagnose also nicht spezifisch, aber sensitiv; das heißt, sie erkennen zu viele Fälle -nämlich 30%-, es entwischt ihnen aber auch kaum ein Fall.
Letztlich kann man in einem sogenannten oralen Provokationstest durch gezielte Aufnahme von Nahrungsmitteln die Symptome hervorrufen. Dies verlangt jedoch eine strikte ärztliche Überwachung!
Die Anamnese entscheidet, in welcher Reihenfolge Haut- und Bluttests (und eventuell auch ein Provokationstest) aufeinander folgen sollen.
- Prognose
Primäre NMA gegen Erdnüsse heilen bei 30% der Fälle in der Pubertät aus, jene gegen Hühnerei zu 90%.
- Therapie
Die einfachste Therapie ist die primäre Vermeidung der betroffenen Nahrungsmittel. Ein neuer Ansatz, der in manchen Forschungseinrichtungen angeboten wird, ist die kontrollierte Gabe von allergieauslösenden Nahrungsmitteln. Die Therapie setzt jedoch eine korrekte Diagnose voraus.
Auch die sekundäre NMA verlangt das Weglassen der betroffenen Nahrungsmittel. Allerdings kann man durch die Immuntherapie die primären Auslöser, also zum Beispiel die Birkenpollenallergie, auch die sekundäre NMA ursächlich bekämpfen.
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