Polystyrene Mikropartikel schädigen Gefässendothel

Jan 31, 2022 | Allergiediagnostik

Eine kürzlich erschienene Arbeit von Ann-Kathrin Vlacil et al. mit dem Titel „Polystyrene microparticles induce endothelial activation” (Ref.) hat international grosses Aufsehen erregt. Für unser Speziallabor ist dies besonders interessant, da wir uns bekanntlich intensiv mit der Diagnostik bzw. Prognose der Nebenwirkungen von Silikon-Brustimplantaten (silicone mammary implants – SMI) sowie von Darmbarrierefunktionsstörungen (Leaky Gut) beschäftigen.

In der besagten Arbeit berichten die Autoren über die Verbreitung und Wirkung von Mikroplastik-Partikeln im menschlichen Körper. Mikroplastik-Partikel sind per se Bestandteile von kosmetischen und medizinischen Produkten, stellen aber auch Abfallprodukte von Makroplastik (z.B. Trinkflaschen, etc.) dar. Wir sind also täglich mit dem Problem der Aufnahme von Mikroplastik-Partikeln in einer Grösse von µm bis mm konfrontiert.

Die Autoren untersuchten speziell den Effekt von carboxylierten Polystyrene (PS) Mikroplastik-Partikeln (ø1µm) auf Zellen des Gefäss- und des Immunsystems bei der Maus im Zusammenhang mit vaskulären Entzündungsprozessen. PS-Partikel induzierten in vitro die Expression von Adhäsionsmolekülen in Endothelzellen mit nachfolgender Anhäufung von Leukozyten unter konstanten Flussbedingungen. In Monozyten induzierten PS-Partikel die Expression und Freisetzung proinflammatorischer Zytokine. Konsequenterweise bewirkte die Verabreichung von PS-Partikeln auch in vivo eine verstärkte Expression von Adhäsionsmolekülen und proinflammatorischen Zytokinen. Weiters wurde gezeigt, dass PS-Partikel im Blut von Leukozyten aufgenommen und so aus der Zirkulation entfernt wurden (Abb1.) PS-Mikropartikel stellen also einen neuen Risikofaktor für endothelial induzierte Entzündungen dar.

Angesichts der Tatsache, dass im Jahr 2019 weltweit 368 Millionen (!) Tonnen Plastikmaterial produziert wurden und die daraus resultierenden Mikropartikel z.T. in die menschliche Nahrungskette bzw. Atemluft gelangen und so in verschiedene Organe, wie Lunge, Leber, Herz und Plazenta (!) gelangen, sind die hier vorgestellten Daten ein eine nicht zu übersehende Warnung von dem schädlichen Effekt dieser Mikropartikel auf die Gesundheit des Menschen, insbesondere unseres Gefäss- und Immunsystem.

 

Referenz:

Vlacil, A. K., Bänfer, S., Jacob, R., Trippel, N., Kuzu, I., Schieffer, B., & Grote, K. (2021). Polystyrene microplastic particles induce endothelial activation. PLOS ONE, 16(11), e0260181. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0260181

 

Abb1.: