EMAS* Positionsstatement: 10 Punkte-Empfehlung für ein integrales Gesundheitsmanagement in der Menopause – Teil 2

Aug 11, 2015 | Hormondiagnostik, News

In einer kürzlich erschienenen Arbeit von Manuel Neves Castro et al. (1) werden die Empfehlungen zu einem integralen Management des Gesundheitsstatus von Frauen in der Menopause in 10 Punkten zusammengefasst. Es folgen die Empfehlungen 6-10.
 
6. Das urogenitale Syndrom der Menopause (UGS)
Die Bezeichnung UGS ersetzt die bisherige Bezeichnung "vulvovaginale Atrophie". Das UGS wird als Summe von Symptomen aufgefasst, die mit einem Abfall von Östrogen und anderen Sexsteroiden einhergehen, wie Veränderungen der Labia majora/minora, Klitoris, Vagina, Urethra und Blase.
 
7. Der Erhalt der Gesundheit des muskuloskeletalen Systems
Sowohl randomisierte als auch Einzelstudien zeigen, dass eine menopausale Hormontherapie das Risiko osteoporotischer Frakturen verringert, und dass der Verlust an Knochenmasse weiter steigt, wenn die Hormontherapie beendet wird. Eine Östrogen-basierte Therapie ist daher die Therapie der Wahl für Frauen unter 60 Jahren, oder während der ersten 10 Jahre der Menopause.
Nicht Östrogen-basierte Therapieoptionen für die Osteoporose inkludieren die Gaben von Bisphosphonaten, Selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERMs), Parathormon (PTH) und Strontiumranelat. In letzter Zeit eröffneten sich auch Möglichkeiten, in das sog. RANK (Receptor Activator of Nuclear Factor-kappa)-RANK-Ligand (RANKL) System einzugreifen. RANKL ist ein für die Knochenresorption bedeutendes Zytokin, das durch einen spezifischen monoklonalen Antikörper (Denosumab) effektiv gehemmt werden kann (1, sowie permanente Abbildung auf unserer Homepage). Erstaunlicherweise wird die Bestimmung von RANKL als wichtigem Osteoporoseparameter bisher in der Osteoporosediagnostik nur sehr gering wahrgenommen.
 
Integrale Bestandteile der muskuloskeletalen Gesundheit sind natürlich die Erhaltung der Muskelmasse durch entsprechendes Training, die ausreichende Zufuhr von Kalzium sowie die Erhaltung suffizienter Vitamin D-Spiegel (Sonnenlicht!).
 
8. Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (premature ovarian failure – POF)
Bei Patientinnen mit POF können intermittierende Ovulationen stattfinden, die ggf. zu menstruellen Blutungen und auch zu einer Schwangerschaft führen können. Es müssen in diesem Zusammenhang daher auch Fragen der Fertilität und der Kontrazeption diskutiert werden.
 
Bei Frauen mit POF ist eine systemische Östrogentherapie bis zu einem Alter von 50 Jahren, d.h. dem normalen Menopausezeitpunkt, indiziert. Ohne Therapie besteht ein Risiko für Osteoporose, kardiovaskuläre Erkrankungen, kognitive Defekte und M. Parkinson.
 
9. Kontrazeption und Perimenopause
Während einer altersbedingten Abnahme der Fertilität kann nicht auf eine gleichzeitig vorliegende Sterilität geschlossen werden. Spontane Schwangerschaften werden gelegentlich auch bei Frauen im Alter von über 50 Jahren beobachtet. Eine Kontrazeption in der Perimenopause ist daher wichtig und sollte bis ca. 2 Jahre nach der letzten Periode bei Frauen unter 50 Jahren, und 1 Jahr bei jenen über 50 Jahren beibehalten werden. Wenn Frauen bereits unter einer Hormontherapie stehen, die zyklische Abbruchblutungen bewirkt, oder bei Frauen mit intrauteriner Levonorgestrel-Applikation zur Supplementierung mit Progestogen, ist die Bestimmung der letzten menstruellen Periode allerdings oft schwierig und kann auch durch die Bestimmung von FSH nicht exakt definiert werden. Eine systemische menopausale Hormontherapie ist per se nicht kontrazeptiv.
 
10. Nachuntersuchungen und Kontrollen
Nachuntersuchungen müssen individuell gestaltet sein und hängen von der Einnahme von Medikamenten, wie z.B. einer Hormontherapie, ab. Frauen mit Hormontherapie sollten diesbezüglich mindestens 1x jährlich kontrolliert werden. Derzeit gibt es keine Empfehlung für häufigere Mammografien oder Zervixabstriche bei Frauen unter Hormontherapie.
 
 
* EMAS: The European Eco-Management and Audit Scheme

(1)
Nagy V., Penninger JM
„The RANKL-RANK Story“
Gerontology. 2015 Feb 14. [Epub ahead of print]
 
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25720990