Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT)

Aug 1, 2016 | Hormondiagnostik, News

HIT ist durch IgG-Antikörper bedingt, die mit Neo-Epitopen auf dem positiv geladenen Chemokin Platelet factor 4 (PF4) in PF-4/Polyanion (durch Heparin oder bakterielle Infektionen bedingten) Komplexen reagieren. Die so entstandenen Immunkomplexe führen zur Quervernetzung von Fo-gamma Rezeptoren auf den Thrombozyten (Fe-gamma R-II) und Monozyten (Fc-gamma R-I) und so zu deren Aktivierung. Durch Schädigung von Endothelzellen weiter angeregt, erhöht diese Aktivierung von Thrombozyten und Monozyten die Bildung von Thrombin. Diese erhöhte Thrombinkonzentration – und nicht die Thrombozytopenie (!) – führt zu den klinischen Problemen. (1)
 
HIT ist durch einen über 50%igen Abfall der Lymphozytenzahl im Vergleich zum höchsten Wert nach Beginn einer Heparintherapie definiert. Zudem kommt es 5 bis 10 Tage nach Beginn der Heparintherapie zu dieser Verringerung der Thrombozytenzahl, einer verstärkten Gerinnung, und dem Auftreten von Heparin-abhängigen, Thrombozyten-aktivierenden IgG-Antikörpern.
 
Die Verwendung eines Klassifizierungssystems, das den Zeitverlauf und das Ausmass des Abfalls der Thrombozytenzahl,  das Auftreten von Thrombosen und die Möglichkeit anderer Ursachen für die Thrombopenie in Betracht zieht, ist für die Diagnose einer HIT hilfreich.
 
Ein verzögertes Auftreten von HIT kann nach Absetzen des Heparins beobachtet werden, und auch spontane oder autoimmune Formen von HIT ohne Heparin-Exposition können gelegentlich auftreten.
Die Bestimmung von anti-PF 4-Heparin Antikörpern sollte nur vorgenommen werden, wenn ein klinisch plausibler Verdacht auf HIT besteht. Diese Tests haben einen hohen negativen, aber nur niedrigen positiven Voraussagewert.
 
Die Behandlung von HIT erfordert die Absetzung von Heparin und eine gerinnungshemmende Therapie mit einem anderen Medikament (z.B. Argatroban, Danaparoid, Fondaparinux oder Bivalirudin).
Warfarin sollte bei Patienten mit HIT vermieden werden.
 
Gelegentlich erhebt sich die Frage, ob man Patienten mit einer durchgemachten HIT, aber inzwischen nicht mehr nachweisbaren Thrombozyten-aktivierenden Antikörpern wieder mit Heparin behandeln kann. T.E Varkentin et al. (2) haben dieses Thema bearbeitet und gezeigt, dass bei Patienten mit einer HIT-Geschichte eine intraoperative (aber nicht postoperative) Behandlung mit Heparin ein relativ geringes Risiko einer rekurrierenden HIT besteht. Die Entwicklung einer Thrombozytopenie ist allerdings möglich, wenn unter diesen Umständen starke Heparin-unabhängige Thrombozyten-aktivierende Prozesse ablaufen.
 
 
 
Ref.
(1)
Greinacher A.
„Heparin-Induced Thrombocytopenia“
N Engl J Med. 2015 Nov 5;373(19):1883-4
 
(2)
Warkentin TE, Sheppard JI
„Serological
Blood. 2014 Apr 17;123(16):2485-93
 
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24516044