HLA-B 27

Mai 1, 2012 | Immundiagnostik, News

Menschen, die HLA-B27 positiv sind, haben bekanntlich ein ca. 100-fach höheres Risiko, eine Spondylarthritis (SpA, Mb. Bechterew) zu entwickeln, als die restliche Bevölkerung. Dafür gibt es zahlreiche Erklärungsversuche, ohne dass bis jetzt genaue ätiologische oder pathogene Mechanismen identifiziert werden konnten.

In letzter Zeit sind in der immunologischen Literatur in zunehmenden Masse Arbeiten erschienen, die sich mit dem menschlichen und tierischen Microbiom beschäftigen. So ist der Mensch beispielsweise Wirtsorganismus für 10 Genome bakteriellen, viralen oder parasitären Ursprungs. Die Besiedelung mit diesen Mikroorganismen ist für das Überleben von Mensch und Tier essentiell. Mäuse, die in keimfreier Umgebung aufgezogen werden, entwickeln kein normales Immunsystem und weisen auch eine veränderte Architektur ihrer lymphatischen Organe auf. HLA-B27 zeigt eine ungewöhnlich hohe Sequenzhomologie mit Proteinen gramnegativer Bakterien. Wenn Endotoxine aus der Zellmembran gramnegativer Bakterien in die Fusssohle von Ratten injiziert werden, entwickeln diese Tiere eine akute Uveitis, ähnlich wie HLA-B27 positive Patienten. Es ist auch schon lange bekannt, dass bestimmte Komponenten von Mykobakterien bei intrakutaner Injektion in Ratten zur Entwicklung einer generalisierten Arthritis, der s.g. Adjuvant-Arthritis, führt, die jener bei der menschlichen SpA sehr ähnlich ist. Man kennt heute ca. 65 Subtypen von HLA-B27, von denen allerdings nur 2 für die SpA prädistinieren.

HLA-B27 hat sicher einen Effekt auf die Zusammensetzung der normalen menschlichen mikrobiellen Flora. Eine Reduktion der arthritogenen Flora bzw. die Induktion einer nicht-arthritogenen Flora könnte also in Zukunft eine effiziente therapeutische Option bei verschiedenen Krankheitsbildern darstellen.
 
Ref.:
J.T. Rosenbaum et al.
Time for a gut check: Evidence for the hypothesis that HLA-B27 predisposes to ankylosing spondylitis by altering the microbiome
Arthritis Rheum. 63(11):3195-3198 (2011)