- Einleitung
Allergien beruhen auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Sie basieren auf einer genetischen Prädisposition (Neigung) gepaart mit verschiedenen Umweltfaktoren. Der Körper behandelt dabei harmlose Stoffe fälschlicherweise wie gefährliche Krankheitserreger.
Es gibt drei verschiedene Arten von Allergien, die auf unterschiedlichen immunologischen Grundlagen beruhen und als Typ I, Typ III und Typ IV Allergien bezeichnet werden.
Von den oben erwähnten drei Arten von Allergien ist die IgE-vermittelte Typ I Allergie die häufigste Form. Dazu gehören zum Beispiel der Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien.
- Genetik
Die genetische Grundausstattung mancher Familien stellt ein Risikoprofil für die Entwicklung einer Typ I Allergie. So haben Nachkommen von Eltern ohne Typ I Allergien in den Industrieländern ein Risiko von 10-15%, eine Typ I Allergie zu entwickeln. Mit einem allergischen Elternteil steigt dieses Risiko auf 30-40%. Wenn beide Eltern allergisch sind beträgt das Risiko 60-80%. Wenn beide Eltern die gleiche Allergie haben (z.B. Asthma), kann das Risiko für deren Nachkommen sogar noch höher sein.
Wichtige Information für allergische Eltern:
Kinder müssen nicht die gleichen Allergien entwickeln wie die Eltern. Bei Eltern mit einer allergischen Rhinitis (verstopfte und/oder rinnende Nase) kann ein allergisch prädisponiertes Kind z.B. stattdessen auch eine Typ I Nahrungsmittelallergie entwickeln.
Andererseits entwickeln manche Kinder allergischer Eltern nie eine Allergie, weil sie von bestimmten Umweltfaktoren, wie frühkindlichen Infektionen, Luftverschmutzung, Zigarettenrauch, schlechten Wohnverhältnissen oder der Einnahme bestimmter Nahrungsmittel, etc. verschont geblieben sind.
- IgE Antikörper
Typ I Allergien beruhen auf der Wirkung von Antikörpern der Klasse IgE. IgE ist ein Immunglobulin, das uns die Evolution „geschenkt“ hat, um Parasiten abzuwehren, und das auch – weniger effektiv – an der Bekämpfung von Tumoren beteiligt ist. Da – v.a. in unseren Breiten – die gesundheitliche Bedrohung durch Parasiten aufgrund der guten hygienischen Bedingungen nicht mehr besonders relevant ist, hat das Immunsystem sozusagen begonnen, sich einer anderen „Aufgabe“ zu widmen, und zwar der Reaktion gegen prinzipiell ungefährliche Antigene (= Allergene), wie Bestandteilen von Pollen, Tierhaaren, Insektengiften, Medikamenten oder eben Nahrungsmitteln. Bewohner*innen von Ländern mit hohem Risiko einer Konfrontation mit Parasiten sind übrigens weniger von Typ I Allergien betroffen, als z.B. Menschen in Mitteleuropa. Erhöhte Konzentrationen von IgE im Blut sollten allerdings nicht immer als ein Zeichen für das Vorliegen einer Typ I Allergie aufgefasst werden, sondern können – z.B. bei Rückkehrern von Reisen in Länder mit hoher Dichte von Parasiten – nach wie vor durch eine parasitäre Infektion bedingt sein.
- Entwicklung einer Typ I Allergie
Schritt 1: Erster Kontakt – „Sensibilisierung“
Beim ersten Kontakt mit einem eigentlich harmlosen Stoff (zum Beispiel Kuhmilch oder Erdnüssen) reagiert das Immunsystem übermäßig stark. Bestimmte Abwehrzellen, wie zum Beispiel T-Helferzellen, veranlassen B-Zellen, spezielle Antikörper der Klasse IgE zu bilden. Diese Phase läuft völlig symptomfrei ab. Diese IgE-Antikörper heften sich an Mastzellen (und Basophile), die sich im Darm befinden. Mastzellen und Basophile sind spezielle Formen von weißen Blutkörperchen, die die Durchlässigkeit der Wand von Blutgefäßen verstärkende Substanzen (z.B. Histamin) enthalten (damit „gemästet“ sind), die sie unter bestimmten Umständen (eben i.R. einer Typ I Allergie) sofort freisetzen können. Außerdem können sich die während der Sensibilisierungsphase produzierten IgE Antikörper – wie erwähnt – an die Oberfläche von Mastzellen binden und „warten“ dort auf einen eventuellen nächsten Kontakt mit dem sensibilisierenden Allergen (z.B. Birkenpollen)
→ In dieser Phase gibt es allerdings meist noch keine Beschwerden.
Schritt 2: Zweiter Kontakt – allergische Symptome
Beim neuerlichen Kontakt bindet das Allergen an die IgE-Antikörper auf der Mastzelle. Dadurch wird die Mastzelle aktiviert und schüttet ihre Botenstoffe aus, vor allem Histamin. Nun entwickeln sich allergische Symptome wie Juckreiz der Haut oder Mundschleimhaut, Rötung und Schwellung der Haut, Niesen und laufende Nase, Atemnot oder pfeifende Atmung oder eben Bauchschmerzen oder Durchfall. In schweren Fällen kann es zu einer Anaphylaxie kommen – einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion, die den gesamten Körper betrifft.
Wichtig: Die Symptome entstehen zum überwiegenden Teil innerhalb von 5 Minuten nach der Allergenexposition!
Typ I Allergien gegen Nahrungsmittel beinhalten die Bildung von spezifisch gegen bestimmte Nahrungsmittel gerichtete IgE-Antikörpern. Ab dem zweiten Kontakt mit dem Allergen löst dies dann die Freisetzung der Substanzen aus den Mastzellen und Basophilen aus, wodurch sofort gastrointestinale Symptome auftreten. Beispiele sind Erdnuss-, Schalen- oder Eiallergie.
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